Kinderchirurgie 2013

4. Kinderchirurgischer Einsatz in Sierra Leone

Bericht über den humanitären kinderchirurgischen Einsatz in Sierra Leone vom 17.04 – 01.05.2013

In diesem Jahr waren die Kinderchirurgen, Dr. Ibrahim Al-Naieb, Dr. Tilman Gresing, Frau Dr. Silke von Tiling und der Kinderarzt Dr. Morley Wright an dem Einsatz beteiligt.

Vorbereitung:

Der Spendenaufruf erfolgte mit Hilfe eines Flyers und durch Zeitungsartikel sowohl in Kassel als auch in Lippstadt. Ferner wurden die Kinderärzte und Chirurgen durch direkten Kontakt angesprochen und industrielle Einrichtungen in Kassel angeschrieben. Es wurden große Geldbeträge von dem Kontaktladen Kassel, Herrn Hoffman aus Kaufungen, Lions Club Brüder – Grimm und der Firma Hübner in Kassel gespendet. Durch die Vermittlung der Staatsanwaltschaften in Kassel und Lippstadt kamen auch große Beträge zustande. Wir erhielten auch Sachspenden von Medikamenten und Verbandsmaterial von einigen Firmen.

Der Verein Bintumani D-SL, German –Sierra Leone Society, ein gemeinnütziger Verein der Diakonie mit Sitz in Berlin hatte Verantwortung und Trägerschaft für das Projekt übernommen.

Das Team

Bedauerlicherweise konnte der Plastische Chirurg, Herr Dr. Dreimann aus privaten Gründen nicht am Einsatz teilnehmen. Wir konnten Frau Dr. von Tiling für eine Teilnahme gewinnen. Da wir erfahren hatten, dass ein qualifizierter Facharzt für Anästhesie in Connaught Hospital in Freetown tätig ist, verzichteten wir auf die Mitnahme eines Narkosearztes.

Das Team bestand aus Dr.Tilman Gresing, Facharzt für Kinderchirurgie und

Chefarzt der Abteilung für Kinderchirurgie im evangelischem Krankenhaus Lippstadt, Dr. Ibrahim Al-Naieb, niedergelassener Facharzt für Kinderchirurgie in Kassel, Frau Dr. von Tiling, Facharzt für Kinderchirurgie und Oberärztin in Mönchengladbach und Dr. Morley Wright, Kinderarzt und Projektkoordinator.

Organisation in Freetown

Dr. Salia, Facharzt für Chirurgie am Connaught Hospital, hatte die Vorbereitung und Organisation in Sierra Leone übernommen. Außerdem hatte der in Sierra Leone tätige Verein „Löwe für Löwe“ mit Sitz in Braunschweig Patienten aus seinem Versorgungsgebiet rekrutiert.

Ziele des Einsatzes

Das primäre Ziel des Einsatzes war die kinderchirurgische Versorgung von Kindern, die aus verschiedenen Gründen- Fehlen eines Kinderchirurgen, Fehlen von entsprechendem Instrumentarium und auch aus finanziellen Gründen- dort nicht versorgt werden können.
Ein weiteres Ziel bestand darin, das Interesse für die Disziplin Kinderchirugie zu wecken und einem jungen Kollegen in der Weiterbildung zum Kinderchirurgen behilflich zu sein.
Ferner wird eine informelle Fortbildung des Personals angestrebt.

Tätigkeit in Sierra Leone

Am 18.04.2013 fand eine Zusammenkunft mit den Chirurgen und dem Anästhesisten am Connaught Hospital statt, um die Planung des Einsatzes zu organisieren. Es wurden einige Modalitäten wie die Arbeitszeiten des Operationspersonals und die Nutzung der Operationssäle besprochen. Es wurde den Kinderchirurgen ein Operationssaal zu Verfügung gestellt. Dr. Salia teilte mit, daß einige Engpässe in der Versorgung mit sterilem Material auftreten könnten, da der Autoklav nicht einwandfrei funktionierte. Es wurden dem Team zwei Assistenzärzte zur Seite gestellt.

Am selben Tag wurden Gespräche mit den Mitarbeitern von „ Löwe für Löwe“, die zahreiche Patienten rekrutiert hatten, gehalten. Es stellte sich heraus, daß durch unvorhergesehene Ausgaben für die Instandsetzung des Krankenwagens für den Transport der Patienten eine finanzielle Mitbeteiligung von uns erforderlich wurde.

Fast alle Operationen wurden im Connaught Hospital durchgeführt. Lediglich zwei Säuglinge wurden wegen deren Alter bzw. Kompliziertheit der Operation in dem privaten Choithrams Hospital gegen Entgelt auf Grund einer besonderen Vereinbarung mit der Klinikleitung behandelt . Im Connaught Hospital wurden Gebühren für Laborleistungen und Medikamente für Kinder über 5 Jahre erhoben.

Es konnten leider nicht alle vorgestellten Kinder behandelt werden, da die Risiken der Operationen in manchen Fällen zu groß waren oder die Zustände inoperabel waren.

Es wurden 35 Operationen an 33 Patienten vorgenommen. Es standen den Chirurgen nur 8 Arbeitstage zur Verfügung

Operation an 33 Patienten

Hernien

           21

Narbenkorrekturen bei Kontraktur nach Verbrennungen

 

             5

Hypospadien

             4

Ohrmuschelkorrektur bei angeborener Fehlbildung

 

             1

Gastrostomieanlage

             2

Brusttumorentfernung beim Säugling

             1

Anorektalplastik bei Analatresie

             1

 

           35

5 Kinder < 1 Jahr

28 Kinder > 5 Jahre

17 Kinder wurden uns über das Connaught Hospital/Ola During Children’s Hospital vermittelt, die Übrigen durch Löwe für Löwe.

2 Kinder wurden im Choithram Hospital operiert

Uns standen 8 Operationstage zur Verfügung

 

Besuch anderer Krankenhäuser:

In Verfolgung des Zieles unsere Aktivitäten nicht nur auf Freetown zu konzentrieren hatten Mitglieder des Teams drei andere Krankenhäuser besucht. Es handelt sich hierbei um das ADRA Krankenhaus in Waterloo, das Holy Spirit Hospital in Makeni und das Magbenteh Community Hospital in Makeni. Letztere Krankenhäuser können auf Grund der infrastruturellen Vorausetzungen in Betracht für zukünftige Einsätze kommen. Beide Krankenhäuser haben eine Bereitschaft zu Kooperation signalisiert. Insbesondere das Holy Spirit Hospital scheint hierfür sehr geeignet zu sein.

Zusammenfassung:

Es wurden in den 8 Arbeitstagen 33 Patienten behandelt, wovon 16 Patienten von „Löwe für Löwe“ aus der Region Waterloo vorgestellt wurden. Zwei Kinder wurden in Choithrams Hospital operiert. Einige Kinder mit Meningomyelocele,Hydrocephalus und Sakraltumoren konnten leider nicht behandelt werden. Ein Grund für die geringe Anzahl der operierten Patienten liegt in der infrastrukturellen Unzulänglichkeiten im Connaught Hospital. So war es wegen fehlendem Sterilgut nicht immer möglich, pünktlich mit den Operationen zu beginnen. Ferner wurden wir mit organisatorischen Problemen in Connaught Hospital konfrontiert, die zu unnötigen Verzögerungen führten.
Für weitere Einsätze wird eine Ergänzung oder eine Alternative zu Connaught Hospital gesucht, um unsere Aktivitäten ganz oder partiell in die Provinz zu verlegen. In diesem Zusammenhang wurden drei Krankenhäuser besichtigt, die alle bereit sind mit uns zu kooperieren. Allerdings müssen die Details für eine mögliche Zusammenarbeit noch erarbeitet werden.

Danksagung

Wir danken allen kleinen und großen Spendern ohne deren großzügige Unterstützung der humanitäre Einsatz nicht denkbar wäre.

Wir danken den Kollegen des Connaught Hospitals ,insbesondere Dr. Salia, für die Organisation und die Überlassung der Räumlichkeiten für die Nutzung.

Unser Dank geht an Herrn Jongopie Siaka Stevens, Botschafter von Sierra Leone in Berlin für seine Unterstützung für das Projekt und die Ausstellung der Gratisvisa an die Ärzte.

Wir danken der Leitung des Choithrams Hospital für das Entgegenkommen in der Benützung der Einrichtung.

Dr. Morley Wright